Paris, London, Australien – schon anhand ihrer Tourstatistik waren Mother’s Cake immer die etwas „andere“ Band Österreichs.

Mit den Erfahrungen, die Yves Krismer, Benedikt Trenkwalder und Jan Haußels in knapp zehn Jahren Bandgeschichte sammeln konnten, würden andere bereits Biografien füllen. Von den ersten zarten Anflügen bei Bandcontests über den „Austrian Newcomer Award 2013“ hin zu drei stilistisch unterschiedlichen Studioalben und einer Amadeus-Nominierung reicht die bunte Erfolgspalette der Tiroler mittlerweile. Der ganze Trubel geht ihnen aber eigentlich eher gegen den Strich, denn am liebsten würden sie sich Vollzeit in ihrer großen Passion suhlen: dem Erschaffen und Wiedergeben ihrer ganz eigenen, mal psychedelischen, mal geradeaus rockenden Songs. Musik um der Musik willen eben, und nicht um effektheischend in dicken Hosen durch das oberflächliche Business zu schreiten.

Aber warum immer in die Ferne reisen, wenn das Gute liegt so nah? So oder ähnlich war die Überlegung hinter dem schlichtweg „Live At Bergisel“ benannten, brandneuen Live-Dokument der Band, mit dem Mother’s Cake eine weitere dicke Kerbe in den opulenten Stamm der Musikwelt ritzen. Unplugged in der Heimat sozusagen – Ursprungsgedanke ohne lästigen Patriotismus, Heimatverbundenheit ohne den übelriechenden Mief falscher Ehrerbietung. Einfach nur drei Musiker, ihre Instrumente, ein leeres Skisprung-Stadion und gnadenlose Kälte. Die Idee für das mutige Unterfangen kam Bassist Benni. Schon vor Jahren spielten Mother’s Cake für eine lokale Tageszeitung ein Unplugged-Konzert im kleinen Rahmen, endgültig inspiriert wurde die Umsetzung schlussendlich durch die Prog-Rock-Götter Pink Floyd. Die standen mit „Live At Pompeii“ Pate. Handgemachte Musik eingebettet in eine einzigartige Szenerie ohne Publikum.

Von der Idee bis zur Realisierung durchschritt die Band eine halbjährige Achterbahnfahrt. Die gesamte Produktion war Neuland, keiner hatte Erfahrung mit der Thematik und die äußeren Umstände wirkten nicht gerade einladend. Aufgrund der Vierschanzen-Tournee mussten die Dreharbeiten unbedingt am zweiten Jännerwochenende stattfinden. Ein Glücksspiel für Mensch und Material, denn die Natur und das Wetter lassen sich auch von drei geeichten Musikern nicht nach Wunsch forcieren. Mit nur fünf Kameras, einem durchgeplanten Lichtkonzept und eigenen Projektionen wurde das 45-Minuten-Set in einem Take für die Nachwelt festgehalten. Eine Ausnahmesituation, die es so wahrscheinlich noch nie zuvor gab. Insgesamt blieben der Band nur drei Tage für die Umsetzung des ambitionierten Vorhabens, aufgrund der Eiseskälte von minus zehn Grad überlebte auch nicht das gesamte Equipment.

Als oberste Prämisse galt das Einfangen einer echten, ungekünstelten Liveatmosphäre inmitten der malerischen Tiroler Bergkulisse. Gebündelt wurde die rohe Energie einer bitterkalten Zusammenkunft, die auf den Punkt genau den Moment mitnimmt und eine echte, seelenvoll musizierende Band in ihrem natürlichen Habitat präsentiert. Es ist nicht nur ein Statement für die Band und ihre rasante Entwicklung, sondern auch für Tirol und ganz Österreich – entstanden auf natürlichem, gänzlich unprätentiösem Weg. Ein weiterer Schritt in der nur schwer greifbaren, hakenschlagenden Evolution von Mother’s Cake. Einer rastlosen und umtriebigen Band, deren Sogkraft sich auch auf diesem Livedokument aus der Natürlichkeit ihrer eigenen Persönlichkeit herausbildet.

 


07.09.2018 | Mother‘s Cake | Album | „Live at Bergisel“