Ein Musikdrama gegen das Vergessen erzählt vom Schicksal der Kinder in Theresienstadt

23. Juni 2018. Das Musikdrama DIE KINDER DER TOTEN STADT erzählt eine erschütternde Episode aus dem Ghetto Theresienstadt, bei der vor allem die Kinder im Zentrum des Geschehens standen. Das Release-Datum des etwa zweistündigen, durchkomponierten Werks ist gut gewählt, denn heute vor 74 Jahren, am 23. Juni 1944, in der Endphase des NS-Regimes, besuchte tatsächlich eine Abordnung des Internationalen Roten Kreuzes dieses Gefängnis, um sich – unter Führung der NS-Offiziere – davon zu überzeugen, dass es den Inhaftierten dort an nichts fehlte.

DIE KINDER DER TOTEN STADT ist ein Projekt, dass zunächst für Schülerinnen und Schüler geschrieben und komponiert wurde. Unter der Projektleitung von Dr. Sarah Kass, Pädagogin und Leiterin des Deutschen Instituts für Erinnerungskultur haben es die Autoren Lars Hesse (Musik) und Thomas Auerswald (Texte) geschafft, ein durchaus umsetzbares neues Werk für die Schultheaterbühne entstehen zu lassen, dass ein dezidiertes Ziel hat: Es lässt junge Menschen von heute ganz anders mit dem schrecklichen Geschehen von damals in Berührung kommen. Wer sich mit den Kindern durch eine Theaterarbeit wie diese identifiziert, hat einen ganz anderen Blick auf die Vergangenheit – und hoffentlich auch auf die Zukunft.

Das Stück handelt vom Überlebenswillen der Kindern des Gefangenenlagers Theresienstadt und hat das Ziel, neben einer Produktion als Album und Hörspiel, vor allem Schüler und Lehrer zu inspirieren, sich mit diesem Thema im Unterricht zu beschäftigen. Zusätzlich zur Audio-Produktion selbst wird reichhaltiges historisches und didaktisches Material produziert und zur Verfügung gestellt, um Schulprojekte und Schulaufführungen möglich zu machen.

Zu den Interpreten gehören die junge Sängerin Jade Schulz, deren großes Talent die Gefühlsschwankungen der jungen Hannah nuanciert ausdrückt, sowie Michael Schulte als Albert, der in diesem Jahre Deutschland beim ESC vertreten hat. Die dritte große Partie hat der Chor der Kinder inne, hier durch die beiden Paderborner Domchöre mit viel Leidenschaft in Szene gesetzt.

Iris Berben spricht die Rolle der Frau des Komponisten kraftvoll und pointiert. Sie ist im übrigen gleichzeitig Schirmherrin des Theaterprojekts und unterstützte die Produktion von Anfang an. An ihrer Seite Echo-Preisträger Peter Heppner („Kein Zurück“, „Die Flut“) als Komponist – der Sänger hier ungewohnt ebenfalls in einer Sprechrolle. Ebenfalls eine wichtige Rolle nimmt Willi Hagemeier als Erzähler wahr, der, sie sich im Verlauf des Stücks herausstellen wird, viel mehr als nur ein Erzähler ist. Und dann ist da noch Esther Bejarano in der Rolle der Pianistin, die ihre Figur stark angelehnt an ihre eigene Vita mit authentischer Sprache darstellt. Sie ist eine der wenigen noch überlebenden Zeitzeugen der NS-Vernichtungslager, und ihre Teilnahme ist eine besondere Ehre für dieses Projekt.

 

 


23.06.2018 | „Die Kinder der toten Stadt“