Madeline Juno ist eine Geschichtenerzählerin

1410_by_philipp_gladsomeE
Im Grunde ist es verwunderlich, dass Musiker im Schnitt nur alle zwei Jahre einen neuen Release bringen. Und es ist umso erstaunlicher, wenn sie dann dasselbe machen wie auf der Veröffentlichung davor. Man erlebt schließlich ständig Geschichten und jede davon kann ein Leben verändern. Ziemlich einleuchtend also, dass die leidenschaftliche Geschichtenerzählerin Madeline Juno seit „Salvation“ so viel erlebt hat, dass es dringend raus muss. Dank der „Waldbrand“-EP bekommen wir Maddys aktuelle Gefühlslage unmittelbar und noch vor ihrer Tour zu hören. Und zwar auf Deutsch, konsequent elektrisch und mit angesagten Beats.

»Vieles an der EP hat mich selbst überrascht«, gibt Maddy zu. »Deutsch war ja nie mein musikalisches Zuhause und ich liebe Englisch, aber ich habe dieses Jahr viel für andere deutsche Künstler geschrieben und wohl Blut geleckt. Ich war neugierig, wie ich heute auf Deutsch klinge – bisher gab es ja nur zwei sehr frühe Lieder von mir auf Deutsch – und hatte die fixe Idee, in meiner Muttersprache zu schreiben. Ich wollte wissen, ob meine Songs auf Deutsch funktionieren und man sie dann extrem modern produzieren kann.« Wie das so ist mit fixen Ideen, man behält sie zunächst für sich: »Ich hab niemandem davon erzählt und bin mit meinem guten Freund Oliver Som (u.a. Guy Chambers, Louane) ins Studio gegangen. Es war unser Baby, unser Experiment mit der zentralen Frage: Können wir etwas Neues schaffen? Geholfen hat die Tatsache, dass Oli kaum Deutsch spricht und keine Ahnung von ›typisch deutschen Produktionen‹ hat, so konnten wir ganz frei und unbelastet arbeiten. Es musste nicht funktionieren – aber es konnte.«

Fest steht, dass man auf der „Waldbrand“-EP einer Musikerin bei ihrem künstlerischen Fahrtenschwimmer zuhören kann. Ohne Produzenten-Team und weitere Co-Writer beweisen die Songs einmal mehr Maddys exzellente Songwriting- und Texter-Qualitäten und dokumentieren die Evolution ihres Handwerks – denn die EP ist quasi Vorreiter des nächsten Albums, auf dem sie auf jeden Fall Deutsch singen wird. »Die Zeit zwischen Alben ist schwer auszuhalten. Ich kann nicht gut stillstehen, besonders wenn eine Tour kommt und man auch aktuelle Dinge sagen will. Es kann gut sein, dass ich irgendwann auch wieder auf Englisch schreibe, aber jetzt lasse mich davon leiten, was mein Herz sagt – und das spricht aktuell eben Deutsch.«

 

 

VÖ: 30.09.2016 | EP „Waldbrand“