Es tropft von der Decke, kein Wasserschaden, das ist Schweiß.

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Kein Wunder, die relaxed anmutenden Stücke besitzen eben auch etwas zutiefst Energetisches. PICTURES, das sind vier Typen aus Berlin und Westdeutschland mit einer aufwühlenden Vita und einem außergewöhnlichen Debüt-Album. Umarmender Songwriter-Rock – getränkt in blood, sweat and tears.

Der erste Anlaufpunkt, geht es um PICTURES, ist Berlin. Dort sitzen Ole Fries und Maze Exler. Ole spielt Gitarre, Maze ebenfalls, außerdem ist er der Sänger. Alles ganz fokussiert – doch von hier an öffnet sich die Story: Westdeutschland und die Notwendigkeit von Bahncards geraten ins Bild. Schlagzeuger Michael Borwitzky, hat seinen einstigen Spitznamen Bowy abgelegt und lebt heute in Hamburg, Bassist Markus Krieg halb im italienischen Como, halb in Bad Ems, einem Kurstädtchen bei Koblenz. Allerdings wäre nichts ein größerer Fehler, als in dieser Entfernung eine Überdehnung des Bandprinzips erkennen zu wollen. Im Gegenteil, vermutlich ist kaum eine Gruppe so eingeschworen und sich so nah wie diese. Dafür spricht auch, wie weit nach hinten sich die Verflechtung der vier Freunde zurückrechnen lässt. Maze spielte in den Neunzigern in der düster genialischen Band Jonas, vier rauchende Teenager aus Bad Bentheim – noch so ein Kurort. Danach stellten Union Youth die nächste Eskalationsstufe dar. Eine bis nach Amerika vordringende Abrissunternehmung im roten Bereich – und sicher einer der extremsten und besten Rockexporte aus Deutschland überhaupt. Tontechniker und Freund war zu dieser Zeit bereits Ole und Michael trommelte bei eben jenen Union Youth. Den Link zu Markus liefert Oles Zeit in Koblenz, dort traf man sich im überaus produktiven Umfeld der Band Blackmail.

Dass mit den PICTURES nur ein Projekt ins nächste überging, kann allerdings nicht konstatiert werden: Zwischen dem Ende von Union Youth und dem frischen Start in neuer Konstellation liegen fast zehn Jahre, alles fühlt sich nicht nur neu an, es ist auch nicht mehr das Gleiche. Zum Glück. Denn Sänger Mazes Heroinabhängigkeit, die ihn nach der Rockstar-Etappe seines Musikerlebens vollends ereilte, hätte das einzigartige Projekt PICTURES beinahe zum Kippen gebracht, seit anderthalb Jahren ist er nun clean. Den Kampf, der mit diesem lapidaren letzten Satz einherging (und geht), hat die Band zusammen bestritten.

Der aufreibende Kampf um das Leben hat sich gelohnt, die Band zahlt ihnen das hörbar zurück. Das mitreißende Songwriting von Maze besitzt bei PICTURES endlich den nötigen Raum, sich voll zu entfalten – ein Panorama öffnet sich, wenn eingezählt wird. So entstehen analoge Pop-Hymnen, die im besten Sinne klingen, als seien sie aus der Zeit gefallen. Wer aktuellen Trends hinterherläuft, wird hier nicht den richtigen Ort finden, wer in Gitarrenmusik allerdings für immer Melodie und Emotion sucht, kann sich unglaublich glücklich schätzen. Versprochen. „Promise“.

Auf diesem Album herrscht ein Widerstreit zwischen Hoffnung versus Finsternis, den die Band nicht bereit ist, verloren zu geben. „Promise“, das ist ein Soundtrack zu Abgründen, genauso wie zur Verheißung und zu tiefen Freundschaften. Die Musik klingt dabei aufs Wunderbarste, als wäre sie schon ganz lange hier.

 

VÖ:
03.02.2017 | Album | Promise

www.picturesband.com/